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Digitales Haushaltsbuch für Energie

Digitales Haushaltsbuch für Energie

Das kostenlose „Energiesparkonto“ gibt eine sehr gute und einfache Hilfestellung zum Energiesparen. Dieser Webdienst ermöglicht es, mit geringem Aufwand seinen eigenen Energieverbrauch zu erfassen, zu analysieren und Entwicklungen zu verfolgen.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Aribert Peters.

(21. Oktober 2018) Einmal jährlich ist zu wenig, wenn es um Informationen über den eigenen Energieverbrauch geht. Das war vor vielen Jahren der Startpunkt für die Einführung von Smart Metern. Je besser man über seinen Energieverbrauch informiert ist, umso bewusster geht man mit Energie um. Das ist durch zahlreiche Studien in vielen Ländern nachgewiesen worden.

Aber auch ohne ein Smart Meter kann man selbst einfach regelmäßig – zum Beispiel monatlich – seinen Zählerstand ablesen und in einem kleinen Büchlein notieren. Das erfordert aber ein wenig Disziplin und ohne weitere Auswertung der Zahlenkolonnen lässt sich kaum ein Nutzen daraus ziehen. Um aus den Zählerständen zumindest die jeweiligen Verbräuche zu erschließen, musste man bisher ein wenig rechnen. Oder besser noch, sich eine Excel-Tabelle mit grafischer Auswertung erstellen.

Hilfestellung für Bequeme

Für bequeme Zeitgenossen gibt es jedoch mit „www.energiesparkonto.de“ ein sehr praktisches und kostenloses Internetprogramm sowie auch passende Apps für Smartphones. Das Ablesen der Strom- und Gaszähler übernimmt dann die Kamera im Handy und auf dem Rechner kann man sich sofort die Auswertung ansehen. Der Aufwand für eine Verbrauchskontrolle vermindert sich dramatisch! Zugleich steigt der Nutzen, weil das Programm viele Auswertungen automatisch durchführt und hilfreiche Hinweise gibt. Die Idee des Energiesparkontos ist simpel: Nur wer einen Überblick über den eigenen Energieverbrauch hat, kann Energie sparen. Deshalb funktioniert die Online-Plattform wie ein digitales Haushaltsbuch für den persönlichen Energieverbrauch. Egal ob es um Strom, Wasser, die Heizung oder das Auto geht – Verbraucher können alle ihre Energiedaten im Energiesparkonto dauerhaft dokumentieren.

1093 Beispiel für eine Auswertung: Energieanalyse aus dem Verbrauch / Bildschirmfoto: energiesparkonto.de

Grandiose Arbeitserleichterung

Zugegeben, es hat auch bei mir lange gedauert, bis ich mich auf das Energiesparkonto eingelassen habe. Nun aber bin ich begeistert über die Arbeitslast, die mir das Energiesparkonto künftig abnimmt. Und den zusätzlichen Nutzen, den es mir bietet. Ich will Ihnen gerne davon berichten.

Man beginnt damit, sich auf der Internetseite www.energiesparkonto.de zu registrieren. Das kostet nichts und es muss auch kein Programm auf dem eigenen Rechner installiert werden. Man kann eine Wohnung oder ein Haus anlegen und die Grunddaten des Hauses oder der Wohnung ergänzen. Der nächste Schritt ist, für das Haus einen Haushaltsbereich hinzuzufügen. Man kann die folgenden Bereiche auswählen: Strom, Heizen, Wasser, Mobilität, Photovoltaik und Klimatechnik.

Dann kann man zum Beispiel für den Bereich Strom den Zählerstand und das Datum eingeben. Bei jedem neuen Zählerstandseintrag werden die dazwischenliegenden Verbräuche automatisch errechnet und als Grafik dargestellt. Dank dieser Technik muss man sich nicht an feste Stichtage halten.

Zählerstände mittels Smartphone-Kamera

Besonders einfach wird die Nutzung des Programms, wenn man zusätzlich auf dem Smartphone die kostenlose App „Energiecheck“ installiert, das für Android und iOS angeboten wird. Dann kann man im Haus von Zähler zu Zähler gehen und auf dem Handy die Zählerstände eintippen. Diese Daten werden direkt zum Energiesparkonto übertragen. Man kann sich auf dem Handy auch sofort die Auswertung ansehen. Die wichtigen Funktionen lassen sich nämlich auch ohne den Gang zum Computer über die App nutzen.

Noch praktischer ist es aber, wenn man in der Energiecheck-App auf dem Handy die Kamera des Smartphones aktiviert. Durch eine automatische Erkennung werden die Ablesewerte von Strom- und Gaszähler dann wie von Geisterhand eingetippt. Ist die Erkennung aktiviert, richtet man die Handy-Kamera auf den Zähler und die Zahlen werden automatisch erkannt. Die App macht dabei ein Foto vom Zähler, analysiert es, erkennt dabei den Zählerstand und speichert ihn. Auf meinem Handy war diese Funktion leider durch die Eingabemaske verdeckt. Erst durch hochschieben der Eingabemaske wurde die automatische Scanfunktion sichtbar. Man sollte den automatisch erkannten Wert unbedingt daraufhin kontrollieren, ob eine Ziffer falsch erkannt wurde und dann gegebenenfalls korrigieren. Die Hotline hat mir zudem durch die Menüs geholfen. Am Ende hat alles funktioniert und ich war begeistert.

Die Köpfe dahinter

Entwickelt wurde das Energiesparkonto.de im Auftrag der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online gGmbH. Sie wird finanziert vom Bundesumweltministerium. Ideengeber und Mitinhaber der gGmbH ist Johannes Hengstenberg. Sein Sohn Maximilian hat das Energiesparkonto programmiert.

1093 Maximilian und Johannes Hengstenberg / Foto: www.co2online.de

Maximilian und Johannes Hengstenberg

Fazit

Wie so häufig muss man sich nur überwinden, etwas zu nutzen, um zu erkennen, wie viel Arbeit einem durch ein neues Werkzeug abgenommen wird. Am Ende stelle ich mir ernsthaft die Frage, warum ich erst so spät auf dieses gute Programm gestoßen bin. Das Energiesparkonto hilft einem, alle Energiedaten an einem Ort zusammenzutragen. Es bedarf keiner festen Ablesetermine, die Datenerfassung ist spielend einfach mit dem Smartphone und alle Daten werden grafisch aufbereitet. Darüber hinaus sind bei einem Anbieterwechsel nicht nur alle Zählerstände dokumentiert – auch die „errechneten“ Werte von Versorgern zu einem Stichtag lassen sich mit dem Kontoauszug aus dem Energiesparkonto auf Plausibilität prüfen. Bei Änderungen im Verbrauchsverhalten – wie einem unbemerkt angeschalteten Verbraucher – werden zudem Warnhinweise gegeben. Aber auch ohne einen bestimmten Anlass erhält man wertvolle Tipps zu möglichen Energiesparmaßnahmen und kann den Erfolg direkt im Konto einsehen.

Wichtige Funktionen des Energiesparkontos

Das Programm bietet noch eine ganze Reihe sehr nützlicher Möglichkeiten:

  • PV-Anlagen und sogar thermische Solaranlagen lassen sich erfassen und auswerten. Dies ermöglicht eine Bewertung der Erträge solarthermischer Anlagen.
  • Wenn ein Zähler ausgetauscht oder ein neuer Zähler eingebaut wird, kann man das ins Programm eingeben.
  • Das Programm kann die Heizenergiedaten auch „klimabereinigen“ – also die Einflüsse besonders warmer oder kalter Witterung herausrechnen. Nur so kann man sehen, ob sich unabhängig vom Wetter, oder dem Winter, eine Sanierungsmaßnahme gelohnt hat. Dafür werden die örtlichen Daten des Deutschen Wetterdienstes genutzt.
  • Man kann alle Dokumente, wie Verträge oder Verbrauchsabrechnungen, einscannen und abspeichern. Das ist dann ein elektronisches Abrechnungsarchiv.
  • Das Programm erlaubt auch eine sogenannte „Energieanalyse aus dem Verbrauch“ (Grundlagen siehe bdev.de/energetischer-fingerabdruck). Diese Funktion ist noch im Teststadium. Sie lässt sich für 12 Euro freischalten. Für die ersten 20 Vereinsmitglieder, die einen Leserbrief an redaktion@energiedepesche.de schreiben, gibt es einen Code für die kostenlose Freischaltung.
  • Das Programm vergleicht die Verbräuche mit ähnlichen Haushalten und zeigt dadurch, wie groß die Einsparmöglichkeiten sind.
  • Aus der Strom- und Gasrechnung lassen sich die Zählerstände und Rechnungssummen ins Programm eintragen.
  • Die Daten lassen sich einfach importieren und auch exportieren. Für Smart Meter von Discovergy gibt es eine automatische Importmöglichkeit.
  • Das Programm erlaubt eine grafische Darstellung von Verbrauchsänderungen.
  • Änderungen der Zahl der Wohnungs- oder Hausbewohner lassen sich ebenso berücksichtigen, wie eine Änderung der Wohnfläche.
  • Um die Zählerstände regelmäßig abzulesen, kann man sich von der App erinnern lassen – beispielsweise einmal pro Monat.
  • Auch Heizkostenabrechnungen können im Programm eingetragen und ausgewertet werden. Dafür muss bei den Grundeinstellungen „Mietwohnung“ eingestellt sein. Eine Grafik zeigt dann über mehrere Jahre, wie sich die Verbräuche im Gesamthaus und in der eigenen Wohnung entwickelt haben.