Klimawandel

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Der Weltklimarat und der Klimawandel

Die Jugendbewegung „Fridays for Future“ und nahezu alle Klimaschutzorganisationen sind sich einig: Die Politik muss den Erkenntnissen der Wissenschaft folgen! Aber wer ist „die Klimawissenschaft“? Aribert Peters stellt Ihnen den Weltklimarat (IPCC), seine Arbeitsweise und seine wichtigsten Ergebnisse vor.
Von Aribert Peters

(3. August 2020) Bei der Zusammenfassung der Erkenntnisse zum Klimawandel leistet der „Weltklimarat“ der Vereinten Nationen (UN) eine entscheidende und unverzichtbare Arbeit. Der offiziell als „Intergovernmental Panel on Climate Change“, kurz IPCC, bezeichnete Ausschuss des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ist keine neue Erfindung. Er besteht bereits seit dem Jahr 1988 und erhielt im Jahr 2007 den Friedensnobelpreis.

2712 Konferenz 40th Session of the IPCC 2014 / Foto: IPCC

Der IPCC ist eine wissenschaftliche und politische Institution zugleich. Sein Auftrag ist es, den politischen Entscheidungsträgern den Stand der weltweiten wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen und aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten, ohne konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Die IPCC-Berichte werden vom IPCC-Plenum beschlossen, das mit von den einzelnen Regierungen nominierten Experten besetzt ist. Die Berichte sind das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses. Jeder Fachwissenschaftler, gleich welcher Nationalität, kann sich an dem zweistufigen Review-Prozess für neue Berichte beteiligen. Die zehntausenden Kommentierungen werden von hunderten „Editoren“ zusammengefasst und eingearbeitet. So habe auch ich selbst als Reviewer den derzeit in Abstimmung befindlichen 6. Sachstandsbericht „AR6“ des IPCC kritisch kommentiert.

Ein kurzer Blick zurück

Im Jahr 1983 führten Umwelt- und Klimaprobleme zur Gründung der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, geleitet von der norwegischen Politikerin Gro Harlem Brundtland. Diese sogenannte „Brundtland-Kommission“ gab mit ihrem ersten Bericht im Jahr 1987 den Anstoß für die Einrichtung eines Weltklimarates.

Anderthalb Jahre später im Jahr 1988 wurde der IPCC gegründet. Er sollte die Forschungsergebnisse zur Klimaforschung zusammenfassen und klären, welche Gefahren vom Klimawandel ausgehen und wie die Menschheit darauf reagieren kann. Schon in seinem ersten Bericht im Jahr 1990 bestätigte der IPCC den menschlichen Einfluss auf das Klima.

Die Erkenntnisse aus diesem ersten Bericht gaben den Anstoß zur ersten Umweltkonferenz im Jahr 1992. In Rio de Janeiro verständigten sich die teilnehmenden 190 Staaten auf ein „Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung der Erde“ sowie die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), um gefährliche menschengemachte Störungen künftig zu verhindern. Man vereinbarte damals zudem, dass sich die Unterzeichnerstaaten jährlich einmal zu einer „Vertragsstaatenkonferenz“ genannten Klimakonferenz (englisch „Conference of Parties“, kurz COP) treffen. Auf der dritten Konferenz in Kyoto im Jahr 1997 einigte sich die Staatengemeinschaft im sogenannten Kyoto-Protokoll darauf, dass die 36 Industriestaaten ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2008 um 5,2 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 mindern müssen.

2712 Redner 40th Session of the IPCC 2014 / Foto: IPCC

Das Übereinkommen von Paris

Auf der 20. Vertragsstaatenkonferenz in Paris wurde im Jahr 2015 beschlossen, dass die globale Erwärmung bis zum Jahr 2050 unter zwei Grad und möglichst sogar unter 1,5 Grad bleiben sollte, keinesfalls aber zwei Grad überschreiten dürfe. 195 Staaten unterzeichneten den Vertrag, auch China und die USA. Die von den beteiligten Staaten bisher geplanten Emissionsminderungen reichen jedoch – selbst, wenn sie allesamt auch tatsächlich umgesetzt würden – bei weitem nicht aus, um diese Paris-Ziele zu erreichen. Die Webseite „Climate Action Tracker“ fasst dies anschaulich zusammen.

Der von der EU-Kommission im Dezember 2019 vorgelegte Green Deal sieht darüber hinaus vor, dass die EU bis zum Jahr 2050 die Netto-Treibhausgasemissionen auf null reduziert. Bis 2030 sollen die Emissionen um 50 bis 55 Prozent, statt wie bisher geplant um 40 Prozent, gegenüber 1990 vermindert werden. Dieses Ziel verfolgt auch das deutsche Bundes-Klimaschutzgesetz. Über die Fortschritte der Mitgliedsstaaten berichten die nationalen Energie- und Klimapläne (NECPs), die von der EU gesammelt und veröffentlicht werden. Die EU-Kommission hat zudem im März 2020 unter dem Oberbegriff eines „Europäischen Klimagesetzes“ den Entwurf für eine EU-Verordnung vorgelegt, mit der diese Ziele verbindlich festgeschrieben werden sollen.

Der Weltklimarat im Detail

Kommen wir zurück zum IPCC: Der Weltklimarat residiert seit seiner Gründung im Jahr 1988 in Genf in der Schweiz. Seine Mitglieder sind die UN-Mitgliedsstaaten. Vertreter aller Regierungen bilden das IPCC-Plenum, das den 34-köpfigen Vorstand und dessen Vorsitzenden wählt. Das Plenum entscheidet über die Themen der Berichte des IPCC und verabschiedet deren Zusammenfassungen Satz für Satz. Deshalb haben die Aussagen des IPCC politisch und wissenschaftlich großes Gewicht. 

Die mit etwa 50 Personen besetzte Geschäftsstelle und das Sekretariat in Genf unterstützen die Arbeit des IPCC sowie seiner Arbeits- und Projektgruppen. Für die Erarbeitung der IPCC-Berichte schlagen die Regierungen und die Beobachterorganisationen Experten vor, die vom IPCC-Vorstand ausgewählt werden.

Die Regierungen der Mitglieder des Weltklimarates haben in der Regel jeweils eine nationale IPCC-Kontaktstelle benannt. In Deutschland ist dies das Bundesumweltministerium (BMU). Die Kontaktstelle nominiert wiederum die jeweiligen nationalen Wissenschaftler und organisiert die Kommentierung der Berichtsentwürfe von Seiten der Mitgliedsstaaten. Die deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, angesiedelt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ist Ansprechpartner für Regierung, Öffentlichkeit, Medien und Wissenschaft in Deutschland.

Finanzierung des IPCC

Die Wissenschaftler werden von ihren jeweiligen Instituten für die IPCC-Arbeit freigestellt oder arbeiten ehrenamtlich. Die Geschäftsstellen der Arbeitsgruppen werden vor allem von den Ländern bezahlt, die sie beherbergen. Für die Reisekosten von Experten aus Entwicklungsländern gibt es einen Treuhandfonds. Das Sekretariat des IPCC wird von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) getragen.

Staatlich oder lobbygesteuert?

Die Verfahren und Strukturen des IPCC geben Hinweise darauf, wie die IPCC-Berichte zustande kommen und zu bewerten sind. Am jährlichen IPCC-Plenum nehmen nicht nur die stimmberechtigten Mitgliedsstaaten teil, sondern auch anerkannte Beobachter, die von Beobachtungsorganisationen entsandt werden, sowie selbstverständlich auch die Experten und Wissenschaftler des IPCC-Vorstandes. Die Beobachter dürfen auch an den meisten Beratungen der Arbeitsgruppen teilnehmen.

Alle federführend am Bericht beteiligten Autoren und Vorstandsmitglieder müssen bestätigen, dass sie keine Interessenkonflikte haben, die ihren Beitrag zum Bericht beeinflussen könnten.

Viele gemeinnützige Umweltorganisationen haben beim IPCC einen Beobachterstatus. In der großen Mehrzahl handelt es sich um Forschungsinstitute und nichtstaatliche Umweltorganisationen (NGOs). Aber auch Industrielobbyorganisationen finden sich in der Liste, darunter der Aluminiumhersteller-Lobbyverband „International Aluminium Institute“ (IAI), die „International Air Transport Association“ (IATA) und das „World Coal Institute“ (WCI) – der Lobby-Klub der weltweiten Kohleindustrie. Eine Liste zeigt transparent alle offiziellen „Beobachter“.

Berichte des IPCC

Das wesentliche Arbeitsergebnis des IPCC sind die von ihm erarbeiteten Sachstandsberichte. Sie fassen weltweit den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel zusammen. Sehr nützlich sind die einfach formulierten „Häufig gestellten Fragen“ (FAQ) zu jedem Bericht und die vom deutschen Verbindungsbüro veröffentlichten deutschen Übersetzungen.

Der IPCC hat bisher fünf umfangreiche Sachstandsberichte sowie zahlreiche Sonderberichte verfasst, die jeweils aus drei Kapiteln und mehreren tausend Seiten bestehen. War der menschliche Einfluss auf das Klima im ersten Bericht im Jahr 1992 noch eine Vermutung, so ist er nunmehr eine gut gesicherte Tatsache. Die Temperaturerhöhungen sind in allen Regionen der Erde messbar und übersteigen die jährlichen Temperaturschwankungen signifikant. Der sechste Bericht (AR6) soll in den Jahren 2021 bis 2022 erscheinen.

Hört auf die Wissenschaft!

Die IPCC-Berichte geben den breiten Konsens der Klimawissenschaft wieder. Die Forderung von „Fridays for Future“ sowie nahezu allen anderen Klimaschutzorganisationen, auf die Wissenschaft und damit zumindest auf den Minimalkonsens des IPCC zu hören, verleiht den IPCC-Berichten besondere politische Bedeutung. Umso erstaunlicher ist es, dass die Klimapolitik der meisten Länder noch weit davon entfernt ist, die Konsequenzen aus den sogar nur vorsichtigen IPCC-Schlussfolgerungen zu ziehen.

Aus einer Reihe von Gründen neigen nämlich viele Klimawissenschaftler und auch der IPCC dazu, die Geschwindigkeit und die Folgen des Klimawandels zu verharmlosen. Dies haben Stephan Lewandowski und Naomi Oreskes analysiert. Unter anderem reagiert die Klimawissenschaft auf die Klimaleugner durch Rückzug auf stark gesicherte Aussagen.

In etlichen wissenschaftlichen Untersuchungen wird dargestellt, dass der Klimawandel deutlich rascher ablaufen könnte, als vom IPCC beschrieben. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kipppunkte des Klimas und die Rückkopplungsmechanismen des Klimasystems (siehe „Es wird eng für uns Menschen“). Sie sind mit besonderen Unsicherheiten behaftet und werden in den IPCC-Berichten und auch den Klimamodellen nur unzureichend berücksichtigt. Diese Bewertung teilt auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. 

Herausragende Erkenntnisse

Aus dem Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL): „Seit der vorindustriellen Zeit ist die Lufttemperatur über der Landoberfläche beinahe doppelt so stark angestiegen wie die globale Durchschnittstemperatur. Nämlich um 1,53 Grad beim Vergleich der Mittelwerte der Zeiträume 2006 bis 2015 mit dem Zeitraum zwischen 1850 und 1900. Diese Erwärmung hat zu häufigeren und intensiveren Klima- und Wetterextremen wie Trockenheit und Starkregen in vielen Regionen geführt.“

2712 Grafik Anstieg der globalen Temperatur seit dem Jahr 1850 / Grafik, Daten: IPCC, SR1.5, FAQ 1.2

Aus dem Sonderbericht Ozean und Kryosphäre (SROCC): „Es ist praktisch sicher, dass sich der globale Ozean seit 1970 ungemindert erwärmt hat und mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufgenommen hat. Seit 1993 hat sich die Geschwindigkeit der Ozeanerwärmung mehr als verdoppelt.“ 

Aus dem Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5): „Das verbleibende CO2-Budget für eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, liegt bei 580 Gigatonnen CO2 und für eine 66-prozentige Wahrscheinlichkeit bei 420 Gigatonnen CO2.“ Diese Zahlen sind mit Unsicherheiten behaftet und berücksichtigen keine Rückkopplungen wie beispielsweise durch auftauende Permafrostböden – auch diese Prognoserisiken macht der Bericht transparent. 

2712 Grafik Korrelation zwischen CO2-Emissionen und CO2-Konzentration in der Atmosphäre /  Daten: SCRIPPS (CO2-Konzentration), E

Aus dem Fünften Sachstandsbericht (AR5): „Menschliche Aktivitäten haben etwa 1,0 °C globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau verursacht, mit einer wahrscheinlichen Bandbreite von 0,8 °C bis 1,2 °C. Die globale Erwärmung erreicht 1,5 °C wahrscheinlich zwischen 2030 und 2052, wenn sie mit der aktuellen Geschwindigkeit weiter zunimmt. Die geschätzte anthropogene globale Erwärmung nimmt derzeit aufgrund von vergangenen und aktuellen Emissionen pro Jahrzehnt um 0,2 °C zu.“

Die kommenden Jahrzehnte

Der IPCC geht von einer linearen Beziehung zwischen der Summe aller menschengemachten CO2-Emissionen und dem weltweiten Temperaturanstieg aus und sieht hier eine Ursache-Wirkung-Beziehung: Die Erderwärmung der künftigen Jahrzehnte hängt von den künftigen Emissionsmengen ab. Der Fünfte Sachstandsbericht schreibt dazu: „Die kumulativen CO2-Emissionen bestimmen weitgehend die mittlere globale Erwärmung der Erdoberfläche bis ins späte 21. Jahrhundert und darüber hinaus. Die meisten Aspekte des Klimawandels werden für viele Jahrhunderte bestehen bleiben, auch wenn die Emissionen von Treibhausgasen gestoppt werden. Dies bedeutet einen unabwendbaren Klimawandel von beträchtlichem Ausmaß über mehrere Jahrhunderte hinweg, der durch vergangene, gegenwärtige und zukünftige Emissionen von CO2 verursacht wird.“

Wie sicher sind die Prognosen?

Die IPCC-Berichte bieten eine Darstellung des bereits erfolgten Klimawandels. Daraus lassen sich die wahrscheinlichen Entwicklungen der kommenden Jahre ablesen. Je weiter man in die Zukunft schaut, um so unsicherer werden die Voraussagen und umso stärker hängen sie von unseren weiteren Emissionen ab.

Oft wird die Wahrscheinlichkeit einer Vorhersage verwechselt mit der Sicherheit, mit der diese Vorhersage gemacht wird. Die Wahrscheinlichkeit, beim Würfeln eine Sechs zu erwürfeln ist ein Sechstel. Obwohl das genau bekannt ist, kann man das Ergebnis eines künftigen Würfelwurfs nicht genau vorhersagen, sondern nur mit einer (genau bekannten) Wahrscheinlichkeit. Die IPCC-Berichte unterscheiden zwischen der Wahrscheinlichkeit einer Aussage (beim Würfeln: ein Sechstel) und der Sicherheit, mit der diese Aussage getroffen wird, also das Vertrauen in die Aussagekraft eines Befundes. Dass man mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Sechstel eine Sechs würfeln wird, wäre beispielsweise „praktisch sicher“.

Auch wenn mit einer 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit der Temperaturanstieg unter 1,5 Grad Celsius bleibt, ist das Risiko von einem Drittel für ein Überschreiten nicht besonders beruhigend, wenn man die dramatischen Folgen einer solchen Überschreitung betrachtet. Ein Aufzugsseil muss auf das Zwölffache der maximalen Last ausgelegt sein. Ein Flugzeug, das nur mit einer 66-prozentigen Chance nicht abstürzt, würde auch keiner besteigen. Beim Klima scheint hingegen selbst eine 33-prozentige Chance, dass die Menschheit überlebt, akzeptabel zu sein.

Den Unterschied zwischen den Folgen einer 1,5-Grad-Erwärmung und einer 3-Grad-Erwärmung kann man auf der Webseite „Carbonbrief“ für alle Regionen der Welt ansehen.

Zusammenfassung

Alle Berichte des IPCC belegen, dass es allerhöchste Zeit ist für eine Verminderung der Treibhausgasemissionen. Die bereits unübersehbaren menschenverursachten Klimaveränderungen werden sich fortsetzen und zu einer weiteren Erderwärmung sowie einer nicht umkehrbaren weltweiten Klimaveränderung führen. Wie schlimm diese Zukunft sein wird, hängt entscheidend von den Emissionsmengen der kommenden 10 bis 20 Jahre ab. Ich schließe daher mit einem Zitat von Chemienobelpreisträger und Entdecker des Ozonlochs Sherwood Rowland: „Wozu ist die Entwicklung wissenschaftlicher Vorhersagen nütze, wenn wir am Ende nichts anderes machen, als dabei zuzusehen und zu warten, bis die Vorhersagen eingetroffen sind?“

Exkurs: Klimamodelle

Mit dem Klima kann man, anders als in vielen Naturwissenschaften üblich, nicht experimentieren. Um also herauszufinden, welches Klima wir auf der Erde ohne menschliche Treibhausgase hätten oder wie das Klima in 10 bis 20 Jahren aussieht, muss man Berechnungen mit sehr umfangreichen Computermodellen anstellen. Ein Klimamodell arbeitet ähnlich wie eine Wettervorhersage. Teilweise werden sogar dieselben Algorithmen verwendet. Statt über 14 Tage werden mit Klimamodellen jedoch hunderte oder sogar tausende Jahre vorausberechnet.

Zur Verbesserung der Modelle wurde im Jahr 1980 das Weltklimaforschungsprogramm („World Climate Research Programm“, kurz WCRP) gegründet. Es wird getragen von der Weltklimaorganisation und dem Weltsozialrat, unterstützt von der Internationalen Ozeanografischen Kommission der UNESCO. Das Programm finanziert und koordiniert den weltweiten Austausch von Ergebnissen der Klimaforschung. Die Ergebnisse des Weltklimaforschungsprogramms sind ein wesentlicher Input für die IPCC-Berichte.

Die Modelle decken inzwischen die ganze Erdoberfläche mit einer räumlichen Auflösung zwischen 200 und 10 Kilometer ab. Auch die Meere bis in die Tiefe und die höheren Luftschichten werden abgebildet. Die physikalischen Prozesse von Wärmeleitung, Verdunstung, Strahlung sowie CO2-Emission und Absorptionen werden von den Modellen nachgerechnet. Es ist sogar schon gelungen, über mehrere Millionen Jahre im Nachhinein die Entstehung der Zwischeneiszeiten nachzuverfolgen, die sich aus den Schwankungen der Erdumlaufbahn und der Sonnenstrahlung über lange Zeiträume ergeben haben. Andererseits ist die Abbildung von Klimakipppunkten in den Modellen bisher nur unzureichend gelungen.

Es gibt inzwischen weltweit rund 100 etablierte Klimamodelle. Vier davon stammen aus Deutschland: vom Alfred-Wegner-Institut Helmholtz-Zentrum (AWI), vom Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ), vom Deutschen Wetterdienst (DWD) und vom DLR. Sie werden im Rahmen eines WCRP-Projektes überprüft und auf den Teststand gestellt, indem man sie mit denselben Daten füttert und dann die Ergebnisse vergleicht. Die Modelle rechnen hypothetische Situationen durch, wie beispielsweise einen Vulkanausbruch, eine plötzliche Vervierfachung der CO2-Konzentration oder eine jährliche Erhöhung der CO2-Konzentration um 1 Prozent. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Input für den sechsten Bericht des IPCC.

Eine wichtige Kenngröße von Klimamodellen ist die errechnete Klimasensibilität („Equilibrium Climate Sensitivity“, kurz ECS). Bisher ging man mit einer Unsicherheit von rund 1,5 Grad davon aus, dass eine Verdopplung der CO2-Menge in der Atmosphäre eine Erwärmung von 3,8 Grad zur Folge haben müsste. Nach einer Auswertung der aktuellen Modelle liegt die Klimasensitivität der meisten Modelle jedoch bei mehr als 4,5 Grad, also deutlich höher als bisher angenommen. Das deutet auf eine höhere Klimaempfindlichkeit hin. Ob es zu einer Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gegenüber der vorindustriellen Zeit kommt, hängt von den Emissionen der kommenden Jahre ab. Läuft alles so wie bisher, so ist das verheerende Ergebnis klar vorgezeichnet.

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