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Mehr als heiße Luft

20 Prozent oder sogar mehr Energie einsparen. Das versprechen Anbieter von Heizkörperventilatoren. Nichts als Marketing – oder können die Gebläse wirklich Verbrauch und Kosten senken? 
Von Peter Ringel

(11. Mai 2026) Ein kleiner Lüfter, der sich einfach unter einen Heizkörper montieren lässt, erhöht dessen Wärmeleistung – das ist unstrittig. Denn die üblichen, meist unter Fenstern angebrachten Plattenheizkörper geben Wärme weniger durch Strahlung, sondern vor allem durch Konvektion ab: An den Metallflächen erwärmt sich die Luft und steigt auf, kühlere Luft strömt von unten nach. Ein Gebläse verstärkt diese Konvektion – im gleichen Zeitraum wird mehr Wärme in den Raum abgegeben.

 ED 01/2026 Mehr als heiße Luft (S.32/33) 

„Durch die höhere Wärmeleistung der Heizkörper kann die Betriebstemperatur eines Heizsystems gesenkt werden“, erklärt der Ingenieur Jörg Schmid. Insbesondere Wärmepumpen arbeiten dadurch effizienter, betont der Experte für Raumheizkörper bei dem mit der Universität Stuttgart verbundenen Dienstleister HLK. Wissenschaftliche Studien zum Einsparpotenzial in der Praxis gibt es bislang offenbar kaum. Beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wird stattdessen auf Erfahrungen sowie auf Messungen nach Industrienorm verwiesen. Demnach liegt die Wärmeleistung bei baugleichen Heizkörpern mit Gebläse um bis zu 45 Prozent höher. Dadurch könne die Vorlauftemperatur um maximal elf Grad Celsius abgesenkt werden.

Mit Lüfter verbraucht die Wärmepumpe zehn Prozent weniger Strom

Welche Einsparungen bei der Kombination einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Plattenheizkörpern möglich sind, hat Schmid für die Energiedepesche überschlagen: In dem Rechenbeispiel wird eine Außentemperatur von fünf Grad Celsius angenommen. Die Vorlauftemperatur wird wegen der Lüfter von typischen 55 auf 47 Grad Celsius abgesenkt. Dadurch kann die Leistungszahl der Wärmepumpe von rund 2,8 auf etwa 3,1 steigen. Diese höhere Effizienz bedeutet: Mit Gebläse ließe sich der Stromverbrauch um rund zehn Prozent senken.

Wer auf Wärmepumpe umsteigen will, braucht für einen effizienten Betrieb also nicht unbedingt eine Fußbodenheizung. Schmid empfiehlt bei einer Sanierung dennoch, vorhandene Heizkörper gegen größere mit Gebläse auszutauschen, um die Betriebstemperatur weiter absenken und so die Effizienz erhöhen zu können. Bei vielen Bestandsgebäuden dürften in den kommenden Jahren Wärmepumpen installiert werden. Wenn dabei die notwendige Heizleistung nicht durch konventionelle Heizkörper zu erreichen ist, sind Gebläse eine Option. Die Industrie bietet bereits sogenannte Wärmepumpenheizkörper mit integrierten Lüftern an. Diese benötigen in der Regel einen Stromanschluss, was auch beim nachträglichen Einbau von Ventilatoren zu beachten ist. 

Bei Gas- und Ölheizungen sind durch die Lüfter ebenfalls Einsparungen möglich. Weil die Heizkörper mehr Wärme abgeben, sinkt die Rücklauftemperatur. Je niedriger diese ist, desto eher können Brennwertkessel die im Abgas enthaltene Energie nutzen. Damit lasse sich die Effizienz bei Gasheizungen um maximal zehn Prozent steigern, erklärt Schmid. In der Praxis finden sich Anlagen, die nie im Brennwertbereich arbeiten, ebenso wie gut eingestellte. Läuft ein Kessel bereits im optimalen Temperaturfenster, ist durch Lüfter kein geringerer Energieverbrauch zu erwarten. Was im Einzelfall möglich ist, hängt vom jeweiligen System und den Einstellungen ab. Auch beim Heizungsverband wird betont: Mögliche Einsparungen sind von vielen Variablen abhängig, allgemeingültige Aussagen seien kaum zu treffen.

Komfortabel? Das Betriebsgeräusch kann stören

Skeptisch ist Schmid gegenüber den von Herstellern versprochenen Komfortgewinnen. So sollen die Geräte etwa für ein besseres Raumklima sorgen. »SpeedComfort verteilt die vorhandene Wärme effizienter im Raum«, argumentiert der niederländische Anbieter, der sich als Erfinder des Heizkörperventilators vorstellt. Dadurch könnten Verbraucher die Thermostate herunterdrehen. Im Internet dokumentierte Selbstversuche ergeben kein einheitliches Bild, ob sich das Verbrauchsverhalten in der Praxis tatsächlich ändert: Manche berichten von Einsparungen, anderen von keinem Effekt. Auch das Betriebsgeräusch und die Bewegung von Raumluft und Staub werden unterschiedlich wahrgenommen. 

Wie wirtschaftlich sind die Geräte? Auf der Webseite von SpeedComfort beginnen die Preise für einen Ventilator, der für einen rund ein Meter breiten Heizkörper empfohlen wird, bei 90 Euro. Für die Ausstattung einer kompletten Wohnung wären also mehrere Hundert Euro zu investieren. Wobei es in der Praxis genügen kann, nur einige wenige Räume damit auszustatten. Der Stromverbrauch ist dem Heizungsverband zufolge zu vernachlässigen: »In jedem uns bekannten Fall sind Einsparungen deutlich höher als der zusätzliche Energieaufwand durch den Betrieb.«

Der Verbrauch liege meist zwischen 0,03 und 0,2 Kilowattstunden pro Tag, je nach Nutzungsdauer und Anzahl der Ventilatoren. Lässt sich der Stromverbrauch einer Wärmepumpe wie beim oben genannten Rechenbeispiel um zehn Prozent verringern, fallen die Betriebskosten der Lüfter nicht ins Gewicht.

Achtung bei Heizkostenverteilern: Die Nachbarn zahlen drauf 

Wer in einer Mietwohnung lebt, sollte prüfen, ob der Betrieb von Ventilatoren zulässig ist. In Mehrparteienhäusern mit zentraler Wärmeversorgung wird der Verbrauch meist durch sogenannte Heizkostenverteiler ermittelt, die direkt an der Front der Heizkörper angebracht sind. Diese Geräte bestimmen den Wärmeverbrauch anhand der für jeden Heizkörper bekannten und normierten Wärmeleistung. Diese wird durch die Lüfter jedoch erhöht. Deshalb warnt der Interessenverband Mieterschutz bei vorhandenen Heizkostenverteilern eindringlich davor, die Lüfter zu betreiben: »Die Nutzung würde den Verbrauch zum Nachteil der übrigen Nutzer der zentralen Heizungsanlage verfälschen. Verstößt man gegen dieses Gebot, kann dies eine Abmahnung und Kündigung des Mietvertrages durch den Vermieter nach sich ziehen.« Wird der Verbrauch dagegen durch einen Wärmemengenzähler ermittelt, sind die Lüfter unproblematisch.

Um eine faire und rechtssichere Abrechnung sicherzustellen, haben der BDH und der Bundesverband für Energie- und Wasserdatenmanagement jüngst entsprechende Kriterien für gebläseunterstützte Heizkörper festgelegt. Dazu zählt unter anderem, dass der Lüfter stets mit einer definierten und konstanten Drehzahl arbeitet, die Heizkörperleistung dabei bekannt ist und dass die Steuerung des Gebläses den Heizbetrieb erkennt. Hersteller, Handwerk und Abrechnungsdienstleister sollen mit diesen Vorgaben einen technischen und rechtlichen Rahmen erhalten. 

Fazit: Wer die Betriebstemperatur seines Heizsystems senken kann, spart mit den Lüftern unter bestimmten Bedingungen tatsächlich Energie – wenn auch nicht so viel, wie die Werbebotschaften verheißen. Wer im Mehrparteienhaus keinen Einfluss auf eine zentrale Heizungsanlage hat, muss auf die Versprechen der Anbieter vertrauen. Und ehe eine Mietwohnung komplett ausgestattet wird, sollte zunächst in einem Raum getestet werden, ob an Einsparungen oder Komfortgewinn etwas dran ist. Wer handwerklich geschickt ist, kann sich aus PC-Lüftern selbst ein Gebläse bauen. Anleitungen finden sich etwa auf Youtube.

Erfundener Testbericht

Auch Werbetexte werden inzwischen oft mit künstlicher Intelligenz erzeugt. Da die Textgeneratoren halluzinieren, also vermeintliche Fakten frei erfinden, sollten Verbraucher Informationen im Netz noch kritischer als ohnehin prüfen. Bei der Recherche sind wir auf eine Internetseite gestoßen, die einen Test von Heizkörperlüftern der Stiftung Warentest vorstellt. Die Vor- und Nachteile mehrerer Geräte wurden detailliert referiert. Nur: Diesen Test hat es nie gegeben. Nach unserem Hinweis ist die Rechtsabteilung der Stiftung Warentest gegen die irreführende Darstellung vorgegangen. Wenige Tage später war der vermeintliche Testbericht auf der Seite verschwunden.

letzte Änderung: 25.11.2009