Wie könnten die Kosten der Altbausanierung reduziert und damit die Sanierungsrate verdreifacht werden?
Sorglos-Paket für Altbausanierung
(22. März 2016) Wie könnten die Kosten der Altbausanierung reduziert und damit die Sanierungsrate verdreifacht werden? Das derzeitige Sanierungsangebot ist dominiert von schlecht zugänglichen, überteuerten, und zersplitterten Handwerkerleistungen. Es fehlt an einem gewerkeübergreifenden Sanierungsprodukt mit professionellen Abwicklungsprozessen, garantierten Einsparungen, garantierten Kosten und kürzeren Amortisationszeiten.
Die Stiftung „Neue Verantwortung“ schlägt ein standartisiertes Sorglos-Komfort-Paket für eine Vollsanierung vor, das nach industriellen Maßstäben abgewickelt und vermarktet wird. Um ein solches Paket entstehen zu lassen, sind – so der Vorschlag – vier Maßnahmen notwendig: Jährlich eine halbe Million geförderte Beratungen mit Datenerfassung und Sanierungsfahrplänen. 50 bis 60 regionale Beratungszentren als Anlaufstellen gerade für ältere Sanierungswillige, Standardisierung und Industrialisierung des Sanierungsangebots und schließlich die Sanierung von 100.000 Wohnungen aus öffentlicher Hand.
Details sind der Broschüre: „Wie Deutschland die Wärmewende schaffen kann – Eine Bestandsaufnahme“ von Emanuel Heisenberg zu entnehmen.
Wärmedämmung: Von Gut nach Böse
(5. Juli 2014) Nachdem es Mode geworden ist, die Wärmedämmung schlechtzureden, gibt es jetzt eine umfassende kritische Bewertung. Denn ohne Wärmedämmung geht es nicht. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz hat die Argumente rund um die Wärmedämmung zusammengetragen und ausgewertet.
Es zeigt sich, wie wichtig die Wärmedämmung für das einzelne Gebäude und auch die Energiewende ist. Die Studie analysiert aber auch den Umgang der Medien mit dem Thema. Überwogen 2011 noch neutrale oder positive Begriffe, tauchten bei den Überschriften und Sendetiteln später eher negativ besetzte Wörter auf. Die Einsparung und die Wirtschaftlichkeit werden einseitig kritisiert. Schlagzeilen sind wichtiger als gute Recherche. Bei der Jagd nach der Quote bleibt die Wahrheit auf der Strecke. Dadurch entsteht Verunsicherung und das Thema wird emotionalisiert. Eine fachlich ausgewogene und neutrale Aufklärung wird damit erschwert oder sogar unmöglich gemacht.
Ein gemeinsames Positionspapier von fünf anerkannten Institutionen hat ebenfalls Argumente zur Überwindung von Missverständnissen zusammengetragen: „Über den Sinn von Wärmedämmung“. Auch hier werden 13 Einwände gegen die Wärmedämmung behandelt.
Die Studie ist kostenlos verfügbar: Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte – Anwendungen – Innovationen
Positionspapier: Über den Sinn von Wärmedämmung
Energetische Gebäudesanierung: „Hauswende“ läuft an
(27. Juni 2014) Um Hausbesitzer besser über Modernisierungsoptionen zu informieren, startete die bundesweite und branchenübergreifende Kampagne „Die Hauswende“. Das Internetportal www.die-hauswende.de bündelt Informationen zur energetischen Gebäudesanierung. Online können Verbraucher geeignete Fördermöglichkeiten sowie qualifizierte Energieexperten und Firmen in ihrer Nähe finden. Flankiert wird die Kampagne durch bundesweite Anzeigen sowie Info-Veranstaltungen in vielen Städten und Regionen.
Die von der Deutschen Energie-Agentur (dena) gesteuerte Kampagne wurde von der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) initiiert, wird vom Bundeswirtschaftsministerium, dem Bundesbauministerium sowie den relevanten Branchenverbänden und Firmen getragen und von der Bundesregierung mit 1,3 Millionen Euro unterstützt.
Hintergrund: Fast zwei Drittel der 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland brauchen eine Wärmedämmung, effiziente Heizungstechnik, moderne Fenster und erneuerbare Energien. Aktuell wird pro Jahr nur ein Prozent des Gebäudebestands saniert. Um die Ziele der Regierung zu erreichen, brauche es eine Verdoppelung auf mindestens zwei Prozent, so die dena.
Chefsache Gebäudeeffizienz
(26. September 2013) Die Politik müsse das Thema Gebäudeeffizienz nach der Wahl endlich zur Chefsache machen, so der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) anlässlich der Vorstellung eines BDI-Zehn-Punkte-Plans zur Gebäudeeffizienz. Wenn die Sanierungsquote von 1% bei Gebäuden nicht verdoppelt werde, sei das Großprojekt Energiewende zum Scheitern verurteilt. Die Politik habe bisher nicht erkannt, dass die Energiewende von allen Gebäudeeigentümern in Deutschland geschultert werden müsse. Politik und Öffentlichkeit diskutierten fast ausschließlich über den Strombereich, so der BDI, dabei liege der größte Verbrauch im Wärmesektor.
Mit seinem 40%-Anteil am Energiebedarf lägen im Gebäudesektor die größten Effizienzpotenziale. Technisch könne der Energieverbrauch durchschnittlich um 85% reduziert werden. Leider fehle es an einem durchdachten politischen Masterplan. Dabei dürfe keine Technologie bevorzugt oder benachteiligt werden.
Werden nach Dämmmaßnahmen die erwarteten Einsparungen wirklich erreicht?
Erfolgskontrolle nach Dämmung
Werden nach Dämmmaßnahmen die erwarteten Einsparungen wirklich erreicht? Oliver Stens zieht Bilanz nach einer Dämmung seines Wohnhauses.
(29. März 2013) Vor drei Jahren wurde unser Dreifamilienhaus mit 14 Zentimeter Styropor gedämmt. Nachdem mir verschiedene Handwerker unglaubliche Einsparungen voraussagten, entschied ich mich damals, selber nachzurechnen.

Energiespar-Experte Oliver Stens
Mit Hilfe von zwei Computerprogrammen simulierte ich zuerst den Verbrauch des Bestands. Das Gleiche folgte für die geplante Dämmung. Dazu nutzte ich zum Einen das kostenlose Lernprogramm Casanova, von dem in der letzten Energiedepesche berichtet wurde. Zum Anderen nutzte ich zusätzlich zur Kontrolle eine Software zur Erstellung eines Online-Bedarfsausweises.
Simulation mit Casanova
Problemlos war die Eingabe der Geometrie und der Fenster. Etwas unsicherer war die Abschätzung der U-Werte für die Außenwände, für das Dach sowie für die Kellerdecke aus Beton. Überfordert war ich bei der Abschätzung des Lüftungsverlusts, der ganz erheblich für den Heizaufwand sein kann. Den Luftwechsel kann man im Programm von 0 bis 10 Wechseln pro Stunde frei wählen. Mangels besserer Idee „eichte“ ich daher den Lüftungsaufwand mit dem bekannten Gesamtverbrauch an Gas. Nachdem alle anderen Parameter eingegeben waren, passte ich die Luftwechselrate so an, dass der vom Programm berechnete Gesamtverbrauch zu dem tatsächlichen Verbrauch der letzten drei Jahre passte. Damit ergaben sich etwa 30 Prozent für die Lüftungsverluste, was mir im Bereich des Möglichen schien.
Für die geplante Dämmung berechnete mir Casanova für die betroffenen Wohnungen 7.000 kWh Einsparung. Tatsächlich ist der Verbrauch um 6.000 kWh gesunken, wenn man die drei Jahre vor und nach der Dämmung vergleicht.
Simulation mit Software für Bedarfsausweis
Hier kam eine Software zum Einsatz, die seinerzeit von einer Planungsgemeinschaft (ArchiNea) online bereitgestellt wurde. Die nötigen Eingaben waren ausführlich erläutert, wurden per Internet eingegeben und für etwa 150 Euro erhielt man am Ende einen Bedarfsausweis. Auch hier war die Eingabe der Geometrie einfach und zum Teil sogar etwas genauer als bei Casanova. Beispielsweise wurden auch unsere drei Dachgauben und unser unbeheizter Dachspitz erfasst. Zum Lüften wurden aber hier keine detaillierten Angaben abgefragt. Bereits der von der Software berechnete Heizenergieaufwand für das vorhandene, ungedämmte Haus traf die Wirklichkeit nur schlecht. Er lag doppelt so hoch wie der Tatsächliche.
Ich wollte trotzdem von diesem Programm eine Prognose für die zu erwartende Einsparung erhalten. Ich ergänzte die Dämmmaßnahmen und erhielt einen neuen Heizungsverbrauch. Da auch diese Einsparung gleichermaßen übertrieben hoch ausfiel, hielt ich es für plausibel, zwar die absoluten Zahlen zu verwerfen, aber die relative Veränderung durch die Dämmung als einigermaßen zuverlässig zu sehen. So nahm ich die vom Programm ausgespuckte prozentuale Einsparung und multiplizierte sie mit dem realen Heizenergieverbrauch. Danach wäre eine Einsparung von 12.000 kWh zu erwarten gewesen. Trotzdem lag das noch weit abseits der Realität, wie sich später herausstellte.
Fazit
Casanova war für mich ein gutes Hilfswerkzeug bei der Planung. Ohne umfangreiche Plausibilitätskontrollen und -korrekturen kommt aber leider oft ein verzerrtes Bild bei Verbrauch und Einsparung heraus. Trotzdem kann das Programm Casanova für versierte Nutzer mehr sein als ein reines Lernprogramm. Mit ausreichendem Hintergrundwissen ist es eine große Hilfestellung für energetische Sanierungsplanungen, die in Eigenregie laufen sollen.
Tatsächliche und prognostizierte Einsparung nach Dämmung in kWh/Jahr
| Real | Casanova | Bedarfsausweis | |
| Verbrauch vor Dämmung | 34.000 | 34.000 | 60.000 |
| Einsparung durch Dämmung | 6.000 | 7.000 | 12.000 |
Ausführliche Unterlagen zur Vorgehenssystematik und die Casanova Berechnungsdateien stehen Mitgliedern im internen Bereich zur Verfügung.
Die Energiebilanz der Altbauten in Deutschland sei schlecht, so die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea), Berlin.
Sanierungsfall Deutschland
(16. Dezember 2011) Die Energiebilanz der Altbauten in Deutschland sei schlecht, so die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea), Berlin. 70% der vor 1979 gebauten Gebäude hätten gar keine Dämmung, bei 20% sei sie unzureichend. Nur 10% hätten eine Dämmung, die aktuellen Anforderungen genüge. Ein ähnlich schlechtes Bild ergebe sich bei den Heizungsanlagen, so die geea. Von den 18 Mio Heizungsanlagen im Bestand seien 13 Mio veraltete Gas- und Ölkessel, 70% der Heizungen entsprächen damit nicht dem Stand der Technik.
Der Gebäudebestand in Deutschland müsse dringend saniert werden, der Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag müsse sich auf die steuerliche Absetzbarkeit energetischer Sanierungen verständigen, so die geea, ein branchenübergreifender Zusammenschluss von Industrie, Forschung, Handwerk, Planung, Energieversorgung und Finanzierung auf Initiative der Deutschen Energie-Agentur (dena), Berlin.
Hintergrund: Von den 18 Mio Gebäuden in Deutschland sind knapp 13 Mio vor 1979 gebaut und damit vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Drei Viertel der Energie, die hierzulande für Raumwärme und Warmwasser im Gebäudebestand verbraucht wird, wird in unsanierter Altbauten genutzt. (Datenbasis Gebäudebestand)
Gebäudedämmung ist ein wichtiger Bestandteil, um Klimaschutzziele zu erreichen
Pressemitteilung der dena vom 02.12.11
dena weist Kritik an Wärmedämmung zurück
Gebäudedämmung ist ein wichtiger Bestandteil, um Klimaschutzziele zu erreichen
(16. Dezember 2011) Aktuelle Medienberichte stellen die Wärmedämmung von Gebäuden als Mittel zur Energieeinsparung und CO2-Reduzierung in Frage. Aus Sicht der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) sind diese Darstellungen haltlos und weisen überwiegend auf eine unsachgemäße Verarbeitung der Materialien oder eine falsche Planung hin. "Die Gebäudedämmung ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, Heizenergie zu sparen und klimaschädliche CO2-Emissionen zu reduzieren", betont Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.
Einsparpotenziale und Wirtschaftlichkeit
Für optimale Ergebnisse sollte die Dämmung in ein energetisches Gesamtkonzept eingebettet sein, das auch Fenster und Gebäudetechnik beinhaltet. Ebenso wichtig ist eine fachgerechte Ausführung durch qualifizierte Experten. Die dena hat bei den von ihr betreuten Modellprojekten nachgemessen, wie viel Energie mit einer solchen Komplettsanierung gespart werden kann. Der Energieverbrauch sank um 70 Prozent und entsprach damit genau den vorher berechneten Einsparprognosen.
Zudem lassen sich energetische Sanierungen bei einem ohnehin bestehenden Sanierungsbedarf wirtschaftlich umsetzen. Das belegt die von der dena veröffentlichte Sanierungsstudie, die hocheffiziente Sanierungen von Mehrfamilienhäusern ausgewertet hat.
Brandschutz
In Deutschland gibt es sehr hohe Sicherheitsstandards. Das gilt auch beim Brandschutz. Die fachgerechte Ausführung der Dämmmaßnahmen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Maßgebend dafür ist die Brandschutzverordnung, die die Verwendung der Baustoffe regelt und vorschreibt, wo an der Fassade Brandsperren angebracht werden müssen. Die Brandschutzverordnung wird regelmäßig aktualisiert und auf den Stand der Technik gebracht.
Zudem unterliegen alle Baumaterialien in Deutschland einer Zulassungspflicht und werden intensiv von etablierten Instituten geprüft. So wird auch das Brandverhalten von Wärmedämmverbundsystemen in Brandversuchen im Originalmaßstab getestet, bevor sie auf den Markt kommen.
Algenbildung
Die Problematik der Algenbildung an gedämmten Fassaden ist vor allem eine optische Beeinträchtigung. Sie kann entstehen, wenn der Außenputz der Fassade im Vergleich zur Luft kalt ist und sich dort Feuchtigkeit niedersetzt.
Eine Algenbildung muss aber nicht von der Dämmung verursacht sein. Es gibt eine Reihe von äußeren Faktoren, die diese Entwicklung begünstigen, zum Beispiel dichter Pflanzenbewuchs in Fassadennähe, stark verschattete Bereiche der Fassade oder eine verstärkte Schlagregenbeanspruchung, vor allem auf der Nord- und Westfassade.
Die äußeren Einflüsse können durch eine sorgfältige Planung minimiert werden. Dabei spielen zum Beispiel ausreichende Dachüberstände eine wichtige Rolle. Zudem bietet der Zusatz von Bioziden (Algizide bzw. Fungizide) im Außenputz oder der Farbe Schutz. Auch der Einsatz mineralischer Putze ist möglich.
Schäden durch Spechtlöcher
Das Auftreten von Spechtlöchern an gedämmten Fassaden ist ein Randthema. Das zeigt auch eine Umfrage der Zeitschrift "Ausbau und Fassade" bei Unternehmen des Stuckateurhandwerks aus dem Jahr 2010, in der die überwiegende Mehrheit der Stuckateure das Thema als irrelevant einstuft. Zudem treten Tierschäden nicht ausschließlich in der Dämmschicht von sanierten Häusern auf. So zerfressen Marder zum Beispiel auch Leitungen auf Dachböden und verunreinigen oder zerkratzen Fassaden.
Download Hintergrundpapier dena Wärmedämmung zu PM vom 02.12.11
Das Hintergrundpapier bezieht sich insbesondere auf die NDR-Sendung „45 Minuten – Wahnsinn Wärmedämmung“ vom 28.11.2011 sowie die ARD-Sendung „plusminus“ "Dämmwahn: Nicht immer macht Energiesparen Sinn" vom 23.11.2011.
Nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) müssen am 31. Dezember 2011 bei allen Mehrfamilienhäusern bisher ungedämmte oberste Geschossdecken gedämmt sein.
Dachboden dämmen
(14. Juli 2011) Nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) müssen am 31. Dezember 2011 bei allen Mehrfamilienhäusern bisher ungedämmte oberste Geschossdecken gedämmt sein. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Hausbewohner einen Dachboden nutzen oder nicht, erklärt die EnergieAgentur.NRW.
Lediglich Besitzer von selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern, die das Eigentum vor dem 1. Februar 2002 angeschafft haben, seien von dieser Vorschrift ausgenommen.
Wer seinen Dachboden zu Wohnzwecken ausbauen wolle, könne anstelle der Geschossdecke das darüber liegende, bisher ungedämmte Dach entsprechend dämmen. Auch dies lasse die EnEV 2009 ausdrücklich zu, so die Agentur.
Wärmedämmung: Schleppende Modernisierungsrate
(26. März 2011) Jährlich erhalten nur knapp ein Prozent aller vor 1978 gebauten Häuser einen neuen Wärmeschutz. Bleibt es bei dieser lahmen Modernisierungsrate, dauert es noch bis ins Jahr 2075, bis zu einer – rein hypothetisch – vollständigen Modernisierung des Altbaubestandes.
Weil jedoch auch jüngere Gebäude nachgedämmt werden müssen, ergibt sich für den gesamten Gebäudebestand eine jährliche Renovierungsrate von nur wenig mehr als 0,8 Prozent. Das erbrachte eine repräsentative Erhebung bei über 7.500 Gebäuden/Gebäudeeigentümern zur energetischen Situation und zu den Modernisierungsraten der letzten Jahre.


